Die zwei Seiten von Raubkopieren

Durch die Digitalisierung hat sich die Welt stark verändert und auch die Welt der Verlagswirtschaft blieb nicht unberührt. Für neue Autoren gibt es Möglichkeiten, ihre Geschichten unabhängig von Verlagen online zu veröffentlichen, und Verlage können Bücher in unterschiedlichen Formaten anbieten. Jedoch hat die Digitalisierung es Buchpiraten auch unglaublich einfach gemacht, Content illegal zu nutzen und zu verbreiten, und das tun sie ziemlich energisch. Jedes Jahr wird mit gesetzwidrigen Büchern gehandelt, die einen Wert von mehreren Hundert Millionen haben. Dies sind alles mögliche Einnahmen, die den Verlagen, aber im Besonderen den Autoren verloren gehen. Das Problem ist, dass viele Raubkopierer denken, dass sie nur den großen Konzernen schaden, jedoch ist das weniger der Fall. Natürlich gehen den Verlagen mögliche Verkäufe verloren, jedoch können die das meist gut verkraften. Anders sieht es jedoch mit Autoren aus. Gerade für unabhängige Autoren zählt oft jeder legitime Verkauf ihrer Bücher. Nur durch ebendiesen ist es ihnen möglich zu schreiben, doch wenn zu viele ihre Bücher raubkopieren, wird ihnen diese Möglichkeit wieder genommen. Manche von den Menschen, die Werke illegal im Internet herunterladen, schließen sich dem Ethos an, dass Kultur, und somit auch Bücher, sowieso kostenlos für alle verfügbar sein sollten. Doch warum sollte ein Schriftsteller, der Monate oder manchmal sogar Jahre an einem Werk arbeitet, nicht angemessen finanziell von denen, die das Werk nutzen, entlohnt werden? Dazu kommt, dass man nur, weil man meint, dass etwas kostenlos sein sollte, nicht plötzlich das Recht hat, sich ebendies einfach zu nehmen. 

Blöd nur, dass es gar nicht so einfach ist, Raubkopieren zu unterbinden. Viele Verlage bieten mittlerweile Formulare an, bei denen man Verdachtsfälle auf illegale Machenschaften melden kann. Zusätzlich werden digitale Bücher mit einer weichen Kopierschutztechnik, also einem Wasserzeichen, ausgestattet. Wenn ein Buch nun auf diversen, nicht rechtlichen Download-Seiten auftaucht, dann lässt sich das Buch zu seinem Besitzer und damit auch zu der Quelle zurückführen, bei der es durchgesickert ist. Jedoch verhindert das Wasserzeichen das illegale Kopieren und Verbreiten selbst nicht. Dafür gab es auch eine Technik, die das verhindern sollte, das sogenannte DRM (Digital Rights Management), jedoch stellte sich heraus, dass erfahrene Raubkopierer diesen Kopierschutz umgehen beziehungsweise sogar entfernen konnten. Deswegen setzen die meisten Verlage heute eher auf Wasserzeichen.

An dieser Stelle könnte man sich vielleicht fragen, warum man nicht einfach direkt gegen die illegalen Webseiten vorgeht. Auch dies tun die Verlage, teilweise sogar so erfolgreich, dass die Seiten heruntergenommen werden müssen. Leider ploppen sie dann aber kurze Zeit später unter einer anderen Domain wieder auf und der ganze Kampf beginnt von vorne.

Nun ist es aber so, dass Raubkopieren durchaus positive Effekte mit sich bringt.

Zuerst einmal ist es falsch, wenn man annimmt, dass jedes raubkopierte Buch automatisch ein verlorengegangener Verkauf ist. Viele Menschen, die sich Bücher im Internet illegal herunterladen, hätten so oder so das Buch nicht gekauft. Die Verlage hätten also auch ohne die Existenz von Raubkopien in dieser Hinsicht keine Einnahmen gemacht. Auf der anderen Seite gibt es die Menschen, die eine nicht-rechtliche Kopie lesen und sich dann aber tatsächlich noch das physische Buch kaufen, da es ihnen gut gefallen hat. Nur weil sie die Möglichkeit hatten, das Buch vorwegzulesen, haben sie es schlussendlich gekauft, weil sie sicher sein konnten, dass es ihnen gefällt. Es geht sogar noch weiter: Viele Raubkopierer entdecken ihre Lieblingsautoren gerade durch die Möglichkeit des illegalen „Vorweglesens“. So lesen sie Bücher, zu denen sie im Laden vielleicht nie gegriffen hätten. Tatsächlich kann es Verkäufe sogar ankurbeln, wenn ein Buch kostenlos zur Verfügung steht. So testete es der Autor Neil Gaiman einmal mit seinem Roman „American Gods“. Einen Monat konnte man sein Buch legal und kostenlos auf seiner Website herunterladen und lesen, und die Verkäufe in unabhängigen Buchhandlungen stiegen darauf um 300%.

Natürlich bedeutet es nicht, dass, nur weil es bei jemand anderem funktioniert hat, es bei allen funktioniert. Dennoch wirft es eine ganz andere Perspektive auf das Thema Raubkopieren und lässt den ein oder anderen vielleicht Raubkopierern milder gegenüberstehen.

Trotzdem darf man nicht vergessen: Raubkopieren ist und bleibt illegal, und jeder, der Bücher illegal herunterlädt, aberkennt den Autoren den Respekt, der ihnen für ihre Arbeit zusteht.

Ob man nun aber Bücher unrechtmäßig im Internet konsumiert oder sie doch legal im Laden kauft, das bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

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